Kultur und Brauchtum

Archive in Güntersleben – noch lange nicht ausgeschöpfte Fundgruben

 

Wenn jemand mehr darüber erfahren will, wer seine ferneren Vorfahren waren, woher sie stammten, wie sie lebten und was sie erlebten, dann endet das überlieferte Wissen in den meisten Familien bei den Großeltern oder spätestens bei den Urgroßeltern. Manchmal findet sich noch ein Ahnenpass, wie er in unseliger Zeit gefordert wurde, der einen noch ein Stück weiter zurückführt. Ähnlich geht es dem, der ein älteres Haus sein Eigen nennt. Er hat vielleicht davon gehört und findet da und dort noch Spuren, die darauf hindeuten, dass es schon eine sehr lange Geschichte hat. Verlässliche Unterlagen über die Vergangenheit, sofern man sie je besessen hat, wurden aber spätestens beim Übergang auf eine nächste Generation immer spärlicher.

Wer mehr früherer Zeit ausgraben will, muss in die Archive hinunter oder hinauf steigen, ins Gemeindearchiv unten im Keller des Rathauses oder ins Pfarrarchiv oben unter dem Dach des Pfarrhauses. Wem das noch nicht genügt, für den kann sich auch der etwas weitere Weg in das Staatsarchiv oder das Diözesanarchiv in Würzburg lohnen.

Gemeindearchiv 2

Gemeindearchiv Güntersleben.

Das Archiv der Gemeinde

Im Oktober 1610 schrieb der Günterslebener Schulmeister Johann Hartmann den ersten Eintrag in ein Buch, dem er den Titel „libellus actorum diurnorum“ (in deutscher Übersetzung: Buch der täglichen Verwaltungsgeschäfte) gab. Es ist das älteste der 130 Amtsbücher im Archiv, in denen früher die Lehrer als Gemeindeschreiber alle wichtigen Vorgänge der Gemeindeverwaltung protokolliert haben.

Aus dem Jahr 1698 stammt ein über 1200 Seiten starker voluminöser Band, in dem alle damals 105 Häuser und Hofstellen mit den Namen der Besitzer und dem dazu gehörenden Vermögen an Äckern, Wiesen, Weinbergen und Vieh aufgeführt sind. Solche Schatzungsbücher zum Zwecke der Steuerveranlagung wurden in mehrjährigem Abstand immer wieder angelegt und aktualisiert. Anhand dieser Bücher lässt sich nachvollziehen, wie groß das Dorf war und wie es gewachsen ist. Geometrisch genau wurde Güntersleben mit allen Grundstücken und Gebäuden zum ersten Mal 1832 vermessen. Auch diesen und die nachfolgend erstellten Ortspläne, auf denen die Entwicklung bis zu den heute fast 1300 Anwesen festgehalten ist, kann man im Gemeindearchiv einsehen.

Seit 1718 sind nahezu lückenlos alle Jahresrechnungen der Gemeinde erhalten. Rund 2000 Bände mit Rechnungsbelegen und Zahlungsvorgängen geben Auskunft darüber, was die Gemeinde wann gebaut hat, welches Personal sie beschäftigt hat, wie der Wald in früherer Zeit den Gemeindehaushalt finanziert hat und vieles andere mehr.

Wieder 100 Jahre später beginnen 1818 die Niederschriften über die Sitzungen der Gemeindeverwaltung, die ihre Fortsetzung in den Protokollen des heutigen Gemeinderats finden. Über 50 Protokollbücher enthalten mehr als 4000 Sitzungsniederschriften, in denen man nachlesen kann, was in Güntersleben zu den verschiedenen Zeiten gerade aktuell war.

Es sind das nur Beispiele für das viele, das sich in den langen Regalreihen, nicht zuletzt auch zur Geschichte vieler Familien, die schon länger im Dorf ansässig sind, im Laufe von über vier Jahrhunderten angesammelt hat.

 

Das Archiv der Pfarrei

Am 16. Juli 1345 trennte Bischof Otto von Würzburg den vormaligen Filialort Güntersleben von seiner Mutterpfarrei Veitshöchheim und verlieh ihm den Status einer eigenen Pfarrei. Eine Kopie dieser Gründungsurkunde ist das älteste Dokument im Günterslebener Pfarrarchiv. Es enthält darüber hinaus noch weitere Dokumente, die älter sind als die Bestände im Gemeindearchiv.

Zu den besonders wertvollen Stücken im Pfarrarchiv gehört das Original des „Protocollum des Löblichen Gotteshauses und Pfarrey zu Gündersleben“. Es handelt sich dabei um die erste Ortschronik, verfasst von Pfarrer P. Ignatius Gropp um 1750.

Zins- und Lehensbücher, das älteste beginnend 1602, geben Aufschluss über die Grundbesitzverhältnisse im Dorf. Seit 1732 sind die Jahresrechnungen der örtlichen Kirchenstiftung mit den Einnahmen und Ausgaben für kirchliche Gebäude und Seelsorge nahezu lückenlos erhalten.

Die Bestände im Pfarrarchiv beschränken sich nicht auf kirchliche Angelegenheiten im heutigen Sinne. Da die Pfarrer bis 1919 die Aufsicht über das Schulwesen und die Lehrer führten, für die Armenfürsorge und auch für Ordnungsangelegenheiten im Dorf verantwortlich waren, sind die älteren schriftlichen Zeugnisse auch aus diesen Bereichen überwiegend im Pfarrarchiv zu finden.

Für Familienforscher eine besondere Fundgrube sind die Matrikelbücher mit den Einträgen der Geburten bzw. Taufen, Eheschließungen und Sterbefälle am Ort. Sie wurden von den Pfarrern in Güntersleben 1592 begonnen und damit fast 300 Jahre bevor 1872 die Standesämter der Gemeinden eingerichtet wurden. Die Matrikelbücher, für die Zeit davor die einzige Informationsquelle über persönliche Daten, haben in Güntersleben alle Wirrnisse der Zeiten unbeschadet überstanden. Um sie auch fernerhin bestmöglich zu sichern, werden sie seit Mitte der 1990er im Diözesanarchiv in Würzburg verwahrt. Dort können sie in digitalisierter Form von jedermann eingesehen werden.

 

Zwar geordnet, aber längst nicht alles erschlossen

Die örtlichen Archive der Gemeinde und der Pfarrei wurden in den vergangenen Jahren zeitlich und thematisch so geordnet, dass die Bestände vor Verlusten geschützt und gut zugänglich sind. Gerade die älteren, handschriftlich und unterschiedlich gut lesbar abgefassten Bücher enthalten aber nach wie vor einiges, das bisher noch nicht erschlossen und ausgewertet werden konnte. Wer sich auf die Suche begibt, wird immer wieder Neues entdecken, das unser Wissen und das Verständnis über die Geschichte von Güntersleben ergänzt und erweitert. Unabhängig davon, ob und wann jemals alles zutage gefördert wird, als „Gedächtnis des Dorfes“, wie sie durchaus treffend auch genannt werden, bieten die örtlichen Archive die Gewähr, dass nichts von dem, was aufgezeichnet wurde, endgültig dem Vergessen anheimfällt.

12/2021

I ho e Ä ü – Günterschläwer Mundart

„Deine Sprache verrät dich.“ Was der Apostel Petrus nach dem Bericht in der Bibel sich vorhalten lassen musste, konnte früher auch einem Günterslebener widerfahren, wenn er außerhalb seines Heimatortes unterwegs war und seine Herkunft nicht preisgeben wollte. Ein kundiger Gesprächspartner konnte oft schon nach wenigen Sätzen heraushören, wo sein Gegenüber zuhause war. Denn die Mundart, wie sie teilweise auch noch heute in der Umgangssprache hierzulande in Gebrauch ist, ist in ihrer konkreten Ausformung sehr kleinräumig und hat schon von Dorf zu Dorf ihre besonderen Eigenheiten. So klingt manches Wort in Thüngersheim oder Gramschatz schon wieder etwas anders als in Güntersleben. Hier wie dort handelt es sich aber um den unterfränkischen Dialekt oder – in der Definition der Wissenschaftler, die noch etwas genauer unterscheiden – um den unterostfränkischen Dialekt.

Die Alltagssprache wurde von Generation zu Generation nur mündlich weitergegeben. Daher sind heute nur noch die Nachkommen aus alteingesessenen Familien, und auch die oft nicht mehr, der überlieferten Mundart mächtig. Wer damit aufgewachsen war, lernte spätestens beim Schuleintritt, aber oft auch erst dann, Hochdeutsch – mit fränkischem Einschlag – zu sprechen und damit im schriftlichen Gebrauch umzugehen. Unter dem Einfluss der zunehmenden Verbindungen nach außen und aus der Besorgnis, dass ihre Kinder durch den Dialekt Nachteile in ihrem schulischen und beruflichen Fortkommen erleiden könnten, gebrauchen viele Eltern seit etwa den 1960er Jahren gegenüber ihren Kindern nicht mehr die Mundart. Nur unter sich und mit ihresgleichen, die auch vom Dorf stammen, verständigt man sich weiter in der Sprache der Vorfahren. Der Wechsel von der einen zur anderen Sprachform erfolgt dabei ganz intuitiv und ohne weiteres Nachdenken, wie seit Schulzeiten gewohnt.

„I ho e Ä ü“ wird in Güntersleben gerne scherzhaft als ultimativer Sprachtest gebraucht, um festzustellen, ob ein Zugezogener wirklich im Dorf angekommen ist. Ganz so schwierig zu sprechen und richtig zu verstehen als „Ich habe ein Ei übrig“ ist aber nicht alles, wie die folgende Auswahl von Günterslebener Mundartausdrücken zeigt. Manche Begriffe zeigen sich nur als leichte Abwandlung vom Hochdeutschen. Schwieriger wird es aber, wenn es keine direkte Entsprechung in der gängigen Schriftsprache gibt. Und bei manchen Formulierungen aus Großmutters Zeiten, die inzwischen ganz aus der Übung gekommen sind, müssen auch Alteingesessene erst einmal nachdenken.

Kategorie 6 Kultur Und Brauchtum Bild

                 Eustach Geißler und Julius Schmitt (1985)

Was gemeint ist, wenn ein Günterschläwer sagt(e):

  • Verwandte und andere
    • Herrla und Fräla                           Opa und Oma
    • Vetter und Bas                              Cousin und Cousine
    • Gschwisterkinner                          Neffen und Nichten
    • Gschwisterteachter                      Großnichten und Großneffen
    • Dout                                                Pate, Patin
    • Gvatterschleut                               Paten-Ehepaar
    • Schmueser                                     Heiratsvermittler
    • Schmolmaad                                  Brautjungfer
  • Kinder und Kinderkram
    • Bankert                                           nichteheliches Kind, frecher Kerl
    • Kröat, Lauskröat                            lebhaftes Mädchen
    • Läuspudel, Läushammel              ungezogener Junge
    • Schloathex                                      quirliges Mädchen
    • Greinmeichl                                    Heulsuse
    • Näschkatz                                       Kind, das Süßigkeiten liebt
    • Krabbala                                         kleines Kind oder alte Frau
    • Bahma                                            Schaukel
    • Bobba, Docka                                Puppe
    • Anstalt                                            Kindergarten
    • Kinleskirwa                                    Kindstaufe
    • Bäbber                                           Schnuller
    • Nudel                                             Fläschchen
    • Gäferlabba                                     Latz
    • Sportwachala                                 offener Kinderwagen, Buggy
    • Schesa                                            Kinderwagen, Kutsche
    • Schalla, Backaschalla                   Ohrfeige
    • auf en Geera namm                     auf den Schoß nehmen
    • en Osch voal ga                            den Hintern versohlen
    • bläck, grein                                   weinen
    • mobber                                          kriechen
  • Junge Leute
    • Bochstalza                                   schlanke junge Frau
    • Häschläffa                                   oberflächliche junge Frau
    • Roatzlöffl                                     unreifer junger Mensch
    • Orschel                                        törichtes Mädchen
    • Sudum                                         übermütiges, leichtsinniges Mädchen
    • Schicks                                         hübsches Mädchen
    • Schinoes                                      flatterhaftes Mädchen
    • Schnorra                                      Schmeichlerin
    • Zoatl, Zupfl                                  aufmüpfiges Mädchen
  • Kleider
    • Geasthennri                               Frack
    • Grostuach                                   Arbeitsschürze
    • Hendschi                                     Handschuhe
    • Hööm                                           Hemd
    • Hulla                                            Kopftuch
    • Joppa, Juppa                               Jacke
    • Kittl                                              Jacke
    • Leibla                                          Unterhemd
    • Socktuach                                  Taschentuch
    • Schlappa                                    Hausschuhe
    • Schlupf                                       Schal
    • Stäucherli                                   Pulswärmer
    • Stoaß                                          Gehrock
    • Sunntisschua                            Sonntagsschuhe
    • Werkatochsschua                     Werktagsschuhe
    • barföassi                                    barfuß
    • hömmed                                    im Hemd
    • hömmärmeled                          hemdsärmlig
    • strümpfed                                 nur mit Strümpfen, ohne Schuhe
    • schießgekrieselt                       bunt
    • schüttelköpfet                          ohne Kopfbedeckung
  • Essen und Trinken
    • Stolla, Lääb                                Brotstolle, Brotlaib
    • Adäigela                                     Brotanschnitt
    • Braatza                                       Bretze
    • Bröasali                                      Krümel
    • Deislbroat                                  Brot für unterwegs, Lunchpaket
    • Hoasabroat                                von der Arbeit zurückgebrachtes Brot
    • Eigebröckelts                             Brotstücke in Milch oder Rahm
    • Schmier, Schmierabroat          Marmelade, Marmeladenbrot
    • Krumbra                                     Kartoffeln
    • Ganza Krumbra                         Pellkartoffeln
    • Zulot, Hättleszulot                     Salat, Kopfsalat
    • Krumbrazulot, Krumbrabrei     Kartoffelsalat, Kartoffelbrei
    • Schnibbelesgemüas                  Kartoffelgemüse
    • Schwartamocha                         Gefüllter Saumagen, Preßsack
    • Schwarz Flääsch                        Dörrfleisch
    • Krautshättla                               Krautskopf
    • Faseali                                        Bohnen
    • Krea                                            Meerrettich
    • Kräitlsuppa, Kräitlflääsch       Kesselsuppe, Schlachtschüssel
    • Boores                                        Lauch
    • Pätterles                                     Petersilie
    • Kriseli                                         Schnittlauch
    • Kümmerla                                  Gurke
    • Radala                                         Radieschen
    • Schafmölli                                   Feldsalat
    • Weckzeametta                           Kaiserschmarren
    • Roata Rangerschli                     Rote Beete
    • Pfangl                                          Pfannkuchen
    • Blootz                                          Blechkuchen
    • Blootzschmier                            Quarkaufstrich für Blechkuchen
    • Rieweleskoacha                          Streuselkuchen
    • Goulopfa                                      Guglhupf
    • Läckscheuwa                               Lebkuchen
    • Makrana                                       Plätzchen
    • Weibeerli                                      Sultaninen
    • Kantzeträubeli                             Johannisbeeren
    • Quätscha                                      Zwetschgen
    • Öpfl                                               Äpfel
    • Pflamma                                       Pflaumen
    • Arwer                                            Erdbeeren
    • Eigemachts, Stelrisierts              Kompott
    • Bibbeleskaas                                Quark, süßer Käse
    • Backsteekaas                               Limburger Käse
    • Stöckete Milch                              Dickmilch, Sauermilch
    • Scheesalack                                  Rot- und Weißweingemisch, Cognac
    • Läckerla                                         Bonbon
    • Schaam, Jaasch                            Schaum
    • Daam                                             Dampf
    • löawelet                                         lauwarm
    • kääl                                                 kauen
    • schmatz, schlörf                           geräuschvoll essen
    • züül                                                 lutschen
    • näsch                                             naschen
    • kröbbs                                           aufstoßen
  • Gesundheit
    • Knautscha                           Verletzung
    • Bützel                                   Schwellung
    • Hitz                                       Fieber
    • Schlucker                            Schluckauf
    • Gfräsch                                Fraisen, Krämpfe, Epilepsie
    • Läusmucka                         Sommersprossen
    • Runzl                                    Falten
    • Platta                                    Kahlkopf
    • Schlucker                             Schluckauf
    • Schiss                                   Angst
    • Heekranket                         Heimweh
    • schwindelhieret                  Kopfweh haben
    • göck, kulch                          husten
    • hatsch                                  hinken
    • Half Gott                             Zuruf, wenn jemand niest
  • Tun und Nichtstun
    • babbel, räwer                    reden, sich unterhalten
    • patsch                                tratschen
    • leier                                    sich unterhalten, ratschen
    • plauder                              miteinander reden
    • präsch                                prahlen
    • schent                                schimpfen
    • fopp                                    narren
    • klöbber                              umrühren, vermengen
    • knauck                               nicken, schlafen
    • kutzl                                    kitzeln
    • luur                                     aufpassen, Ausschau halten
    • pfatz                                    zwicken
    • rümlampl                           untätig herumlaufen
    • schees, scherch                 eilen
    • schlorch                              nachlässig laufen
    • spätz                                   spucken
    • stumb                                 stoßen
    • wärchl                                 rollen
    • hopf                                     hüpfen
    • zöibl                                    an den Haaren ziehen
    • zerr                                     ziehen, streiten
  • Eigenschaften
    • eefalti                                   einfältig
    • knicket                                 geizig
    • näschet                                wählerisch
    • olwer                                    dumm
    • pumpltöret                          töricht, tollpatschig
    • ugattli                                  ungehörig, frech
    • räudi                                    missmutig
    • eespenned                          unverheiratet
  • Berufe
    • Ammefräla                         Hebamme
    • Häpper                                Lehrer
    • Schualmäster, Lerr            Lehrer
    • Schloatfacher                     Kaminkehrer
    • Becka, Tägpfatzer              Bäcker
    • Tochleahner                       Taglöhner
    • Schulz                                 Bürgermeister
  • Jahreslauf
    • Fosenocht                          Fastnacht
    • Kirwa                                   Kirchweih
    • Astra                                    Ostern
    • Määkur                                Maiausflug
    • Spinnstuwa                         abendliches Beisammensein
    • Leich                                    Beerdigung
    • Leichatrunk                         Leichenschmaus
    • Guata Beschluss                Gruß zum Jahresende
    • Glücksealis neus Johr        Neujahrsgruß
    • Schöani Feiertooch            Gruß vor kirchlichen Hochfesten
  • Wetter
    • Suun                                     Sonne
    • Schabbi                                Schatten
    • Kantzracha                          Regen um Johannistag
    • es niewelt                            es tröpfelt
    • es säut                                 es regnet leicht
    • es schütt, es sächt             es regnet stark
  • Haus, Haushalt, Hof
    • Eira                                       Ern, Hausflur
    • Stuwa                                   Wohnzimmer
    • Naster                                  Betten
    • Bettzäacha                          Kissenüberzug
    • Lälch                                    Betttuch
    • Schloat                                Kamin
    • Abtritt                                  Toilette
    • Scheißhaus                         Plumpsklosett im Hof
    • Boada                                  Speicher, Dachgeschoss
    • Lusament                            schlechte Wohnung
    • Vertiko                                 Schreibtisch, Aktenschrank
    • Ouer                                    Uhr
    • Funzl                                    schwaches Licht
    • Guus                                    Spüle, Abfluss
    • Handscherwa                     Handwaschschüssel
    • Gelta                                    Waschwanne
    • Schoola                               Tasse
    • Seidlesglos                          Halbliterkrug
    • Hofa, Hofastörza                Topf, Topfdeckel
    • Tiechl                                    Pfanne
    • Hafala                                   kleiner Topf
    • Küwl                                      Eimer
    • Riebeisa                               Reibe
    • Buutrafooß                          Rührgerät zum Butterherstellen
    • Blootzschüssl                       Schneidbrett
    • Schüsslbriet                         Geschirrregal
    • Rutscherla                            kleiner Topf für Milch oder Most
    • Spüallumba                         Spültuch
    • Käierwüüsch                        Handbesen
    • Fadrawüüsch                       Gänseflügel zum Rohrreinigen
    • Feuerstackeli                       Zündhölzer
    • Flääschmaschienla             Fleischwolf
    • Zwickerla                              Wäscheklammer
    • Pforta                                   Hoftüre
    • Lättra                                    Leiter
    • Schicker                               altes Fahrrad
    • Käita                                     Kette
    • Spreißl                                  Holzsplitter
    • Stackala                                kleiner Stock
    • Battla                                    kleines Beil
    • Brüabutta                            Brühbottich beim Schlachten
    • Schrocha                              Arbeitstisch beim Schlachten
    • Galdsoock                            Geldbeutel
    • Kratza                                   Huckelkorb
    • Bibb                                      Tabakspfeife
  • Landwirtschaft und Weinbau
    • Ahra                                      Ernte
    • Heckaschmatzer                 Kleinbauer
    • Mäppo                                  schlechter, steiniger Acker
    • Awalla                                   Grundstücksgrenze
    • Hätt                                      Ackerende
    • Forch                                    Furche
    • Gelääst                                 tiefe Fahrspur
    • Ree                                        Rain, Böschung
    • Buckl                                     Anhöhe, Anstieg
    • Steerutscha                         Steinhalde
    • Mahda                                  abgemähter Getreidestreifen
    • Ehrli                                       Ähren
    • Stupfl                                    Stoppeln
    • Oocha                                   Getreidegrannen
    • Geträäd                                Getreide
    • Garschta                              Gerste
    • Hower                                   Hafer
    • Koara                                    Korn, Roggen
    • Wäß                                      Weizen
    • Böitzi                                    Spreu
    • Dörres                                  Heu
    • Rangerscha                         Runkelrübe
    • Faulenzer                             Sitzplatz auf dem Wagen
    • Läätsääl                                Leitseil
    • Scheabarra                          Schubkarre
    • Räswachala                          Reisewagen
    • Stool                                      Stall
    • Raaf                                       Heubehälter im Stall
    • Renichum                             Nachgeburt der Kuh oder Ziege
    • Hawa                                     leichte Hacke
    • Kooscht                                 schwere Hacke
    • Racha                                    Rechen
    • Schloaderfooß                     Wassergefäß für Wetzstein
    • Böabl                                     Vogelscheuche
    • Wengert                                Weinberg
    • Herwest                                 Herbst, Weinlese, Traubenernte
    • Herwestwocha                     Lesefuhrwerk
    • Träuwl                                   Trauben
    • Koaffa                                    großer Traubenbehälter
    • Stücht                                    kleiner Bottich
    • Läura                                     Tresterwein, Haustrunk
    • Moast                                     Most, Wein
    • Seidla                                     halber Liter
    • Bardl                                      Weinkrug
    • Stopfer                                  Korken
    • Üschlück                                Unschlitt (Fassdichtfett)
    • Pfitzer, Schicker, Storre       Rausch
    • brach                                     Boden mit Hacke bearbeiten
    • awanner                                Fahrspur mit Sense freimähen
    • stupfl                                     Trauben oder Ähren sammeln
    • schoor                                   Boden aufreißen, herumspaten
    • Ahragöiker fang                  die Getreideernte beenden
    • kalter                                     keltern
    • ier                                          gären
    • hott und wist                        Rechts- und Linkskommando für Zugtiere
    • fleißi                                      Gruß an jemand, der arbeitet
  • Pflanzen und Tiere
    • Doara                                  Dornen
    • Häschläffa                          Kuhschelle
    • Möisi                                    Moos
    • Schleahützeli                      Schlehen
    • Stinkerli                               Tagetes
    • Nachali                                 Nelken
    • Tannagäß                            Tannenzapfen
    • Tochenochtli                       Stiefmütterchen
    • Baam                                    Baum
    • Ringlesbusch                       Löwenzahn
    • Glitscha                                Klatschmohn
    • Säubirla                                Wildbirne
    • Anta                                      Ente
    • Bie                                        Biene
    • Brahma                                Bremse, Stechmücke
    • Gääß, Höppl                        Ziege
    • Göiker                                  Hahn
    • Groshopfer                          Heuschrecke
    • Henser                                 Kater
    • Hoa, Höala                          Huhn, Küken
    • Hoaraneistl                         Hornisse, Wespe
    • Hoos                                    Hase
    • Hullazwicker                       Ohrwurm
    • Köter                                    Hund
    • Kracka                                 Krähe, Rabe
    • Mucka                                  Fliege
    • Sächamese                        Ameise
    • Schmässa                           Schmeißfliege
    • Staunzer                             Stechmücke
    • Tracher                               Enterich
    • Ziepf                                    Hühnerkrankheit
    • gauz                                    bellen
  • Dorf und Gemeinde
    • Thüngerschläwa                 Güntersleben
    • Gemee                                 Gemeinde
    • Vorwach                               Würzburger Straße
    • Wastert                                Thüngersheimer Straße
    • Heannerleiner                     Gramschatzerstraße und Umgebung
    • Käthelsgasse                       Kirchgasse
    • Säuhecke                             Josef-Weber-Straße
    • Stiegeli                                 Zehntgasse
    • Schwieboacha                     Durchgang unter dem Alten Rathaus
    • Mool                                     Mal, Öffentliche Bekanntmachung
    • Kerchhoaf                             Friedhof
    • Kandl                                    Wasserrinne
    • Pfütscha                               Pfütze
    • Leutgebabbel                      Dorfgerüchte
  • Kirchliches
    • Baatherrla                          Pfarrer
    • Nuna                                   Nonne
    • Hälchamäster                    Küster, Mesner
    • Täff                                      Taufe
    • Gebaat                                Ewige Anbetung
    • Allerhälcha                         Allerheiligen
    • Sealamt                              Requiem
    • Schiading                           Ausläuten für Verstorbene
    • Määbaatstun                      Maiandacht
    • Kerchatura                          Kirchturm
    • Löschhörrla                        Löschhorn
    • zamschloch                         letztes Glockenzeichen vor dem Gottesdienst
    • naufs Speise gea               zur Kommunion gehen
    • auf der Orchl                      auf der Empore
  • Namen
    • Annamiala, Annamaich          Anna Maria
    • Nanni                                        Anna Maria
    • Bawett, Bowel                         Barbara
    • Bast                                           Sebastian
    • Darrla                                       Maternus
    • Dilla, Dilli                                  Ottilie
    • Dreas                                        Andreas
    • Kätt, Kätter                              Katharina
    • Kunl                                          Kunigunde
    • Lubber                                      Ludwig
    • Madlena, Mödl                        Magdalena
    • Märt, Märtla                             Martin
    • Adl, Ödl                                     Adam
    • Rettl                                          Margarethe
    • Schorsch, Schörsch                Georg
    • Sepp, Sepper, Sepperla          Josef
    • Vält, Vältla                                Valentin
  • Schimpfworte, Necknamen
    • Bagasch                              liderliche Menschen
    • Gschwattl                            liderliche Menschen
    • Braatza                                träge Frau
    • Brachhamel                        Faulpelz
    • Dollack                                 Dummkopf
    • dumma Schüt                     törichte Frau
    • Duttl                                     ungeschickte Frau
    • Fätz                                      nichtsnutziger Kerl
    • Gruschbala                          kleine alte Frau
    • Hälch                                    linkischer Mann
    • Hendschi                             Tölpel
    • Hirabicker                            Besserwisser
    • Hoaraschröadl                    Sturkopf
    • Hoasascheißer                    Feigling
    • Hömmerläuter                    weltfremder Mensch
    • Hullafraa                               Frau mit Kopftuch
    • Lerch                                     Müßiggänger
    • Löater, Löatfeicha               ungeschickter Mensch
    • Maad, Blootzmaad              behäbige Frau
    • Maulaff                                  Dummkopf
    • Nawlkrack                             Quasselstrippe
    • neugieria Eav                       neugierige Frau
    • Öalgötz                                  einfältiger Mensch
    • Ratscha                                 Tratschweib
    • Knalla                                    Tratschweib
    • Schanza                                 ungeschickte Frau
    • Scheesa                                 Frau, die immer in Eile
    • Schleiereul                            begriffsstutzige Frau
    • Schloafkappa                        Schlafmütze
    • Schlorcher                             Mann mit ungepflegtem Äußeren
    • Schmierlapp                          anbiedernder Mensch
    • Schneagans                           törichte Frau
    • Schobbl, Schoada                 hektische Person
    • Simpl                                       Dummkopf
    • Spabrönner                            Geizhals
    • Sprüchbeutl                            Aufschneider
    • Staragucker                            weltfremde Person
    • Tägmeichl                               träge Frauensperson
    • Tochdiab                                 Nichtsnutz
    • Troag, Strick, Stücht              grobschlächtiger Kerl
    • Tröatl                                       Trottel
    • Trocker                                    langsamer Mensch
    • Verrecker                                frecher, gewalttätiger Mensch
  • Menge, Zeit und Ort
    • öbbes                                     etwas, ein wenig
    • a weng                                   ein wenig
    • Muckaschiß                           Kleinigkeit
    • Hamfl                                     eine Handvoll
    • Arfl                                         Menge, mit beiden Armen fassbar
    • Trum, mords Trum              großer Gegenstand
    • Trochet                                  schwere Last, auch Tracht Prügel
    • genaa                                    genau
    • näichta                                  neulich
    • anigenäichta                        vorgestern
    • moura                                   morgen
    • sallamoal                              damals
    • hetzt, henz                            jetzt
    • zu Lawes Toch                     zu Lebtag
    • zelatti                                    zeitlebens
    • maladi                                   mein Leben lang
    • auffi und owi                        auf und ab
    • eini und außi                        rein und raus
    • harador                                 hin und her
    • heist und geist                      herüben und drüben
    • hüwa und düwa                    herüben und drüben
    • hunna und doawa                unten und oben
    • rü und nü                               hin und her
    • vöderschi und hennerschi  vorwärts und rückwärts
    • hömmi, heeni                        heim
    • üwi                                           hinüber
    • ani                                           fort, weiter
  • Dies und das
    • Baatl                                   geringer Besitz, Habe
    • Hacklapaasch                    ganze Habe
    • Geraffel                              wertlose Gegenstände
    • Hibbel                                 harter Gegenstand
    • Draack                                Dreck
    • Bolla                                   Sprüche, Angeberei
    • Schwafl                               dummes Gerede
    • leere Weis                          unnütze Belehrung
    • Spitakl                                 Spektakel
    • Spruutz                               Spritzer
    • Voadl                                    Vorteil, Geschick
    • dos und sal                         dieses und jenes
    • saller                                   dieser, jener
    • äch                                      links, verkehrt
    • zwerch, überzwerch         irrig, durcheinander
    • zünderscht zöaberscht     drunter und drüber
    • gattli                                    günstig, passend
    • ümasuust                            umsonst
    • gottsa                                  allzu sehr
    • ei du ei du                          Ausdruck der Verwunderung
    • mach Zeuch                      Ausdruck der Überraschung
    • machs halblang                 Ausdrück der Verwunderung
    • namm amoal a                   Ausdruck des Erstaunens
    • sou a nu                              Ausdruck der Verwunderung

„Immerzua it ke Ackerleng“. So lautete ein Spruch, wenn die Arbeit auf dem Feld kein Ende nehmen wollte. Daher soll auch diese Auflistung hier enden. Für eine vollständige Erfassung aller mundartlichen Ausdrücke, wie sie in Güntersleben geläufig waren, bräuchte man ohnehin ein ganzes Wörterbuch.

08/2021