Güntersleben und seine Schulen

30. Januar 2026

Güntersleben und seine Schulen

Das erste Schulhaus

„Ein Schulhauß stehet uff dem Kirchhoff“. So lautet die erste Nachricht über eine Schule in Güntersleben in einer Amtsbeschreibung von 1594. Gemeint ist der Fachwerkbau über dem Durchgang zum Kirchplatz, den wir heute als „Altes Rathaus“ kennen. Ob es wirklich die erste Schule war und wann genau sie gebaut wurde, lässt sich nicht mit letzter Sicherheit feststellen. Der Zusatz „ganz neu erbaut“, der dem Eintrag beigefügt ist, lässt jedoch eine Bauzeit um 1590 oder kurz danach annehmen.

Das Schulhaus wurde nicht zufällig neben die Kirche und das Pfarrhaus gebaut. Waren es doch die Pfarrer, die den Schulunterricht in die Dörfer brachten und bis 1920 auch beaufsichtigten. Unterstützt wurde der Pfarrer auch in Güntersleben durch einen Gehilfen, der als Schulmeister den Unterricht erteilte, zugleich aber auch als Kirchendiener für das Orgelspiel, die Kirchenmusik, das Läuten und die Reinigung der Kirche zu sorgen hatte. Wobei letzteres üblicherweise die Schulmeistersfrau übernahm.

Das obere Geschoss über dem sogenannten Schwibbogen mit seinen nicht einmal 90 Quadratmetern Grundfläche war zugleich Wohnung für den Schulmeister mit seiner Familie und Unterrichtslokal. Viel Platz war da weder für das eine noch für das andere. Im Untergeschoss neben dem Schwibbogen befand sich der Stall für die Schweine, Hühner und anderes Kleinvieh, die auch der Lehrer wie fast alle Familien im Dorf für seinen Lebensunterhalt brauchte.

Wie viele Kinder nach dem Bau der Schule den Unterricht besuchten, wissen wir nicht. Anfangs wurden sie in der Wohnstube des Lehrers unterrichtet. Daran etwas zu ändern, kam der Gemeinde, die wie heute für den Bau des Schulhauses zuständig war, lange nicht in den Sinn. Weder der Pfarrer noch die höheren Schulaufsichtsbehörden fanden Gehör, so dass sich 1687 sogar der Fürstbischof als oberster Landesherr zum Eingreifen veranlasst sah. Ultimativ verlangte er die „Separation in der Schulstube“, also die Trennung von Klassenzimmer und Lehrerwohnung „noch vor dem anstehenden Winter“, stieß damit aber beim Schultheißen auf taube Ohren. Der verwies auf die Kosten und rechtfertigte seine Weigerung mit der Feststellung: „Ich bin allein nit hier, die Gemein will es nit haben.“

Letztlich musste er aber doch wohl einlenken. Der Vorgang zeigt aber, wie wenig man im Dorf einer Schulbildung der Kinder abgewinnen konnte. Entsprechend zugeknöpft gab sich die Gemeinde, wenn sie etwas für das Schulhaus tun sollte. Das blieb auch noch lange so, wie man in Schulprotokollen nachlesen kann. Da meldete der Lehrer, „daß unter der gestri­gen Nachmittagsschule 2 Schulbänke der größeren Schul­knaben so zusammengebrochen wären, daß sie nicht sit­zen; son­dern stehen müßten.“ Ein andermal brachte er vor, „daß die Bodenstiege im Schul­hause so veraltet wäre, daß man dieselbe ohne Lebensgefahr nicht besteigen könne.“ Oder es brauchte erst einen dringenden Hinweis des Lehrers, „daß der Giebel am Schulhause zum Herabstürzen hange, so daß man ohne Lebensgefahr nicht vorüber gehen könne.“ Von der Gemeindeverwaltung hatte das anscheinend noch keiner sehen wollen. Und so geht es weiter, solange das Haus als Schule genutzt wurde.

Der Schulsaal, den die Gemeinde zu einem nicht bekannten Zeitpunkt von der Lehrerwohnung trennte, war dann – im gleichen Gebäude – etwa 30 Quadratmeter groß. Dass unter derart beengten Verhältnissen um 1790 mittlerweile 70 und mehr Kinder unterrichtet werden konnten, ist für uns heute nur schwer vorstellbar.

Die obere Schule und die untere Schule

Seit 1820 nannte man das Schulhaus am Kirchplatz die erste oder obere Schule. Gab es doch jetzt ein zweites Unterrichtslokal, das die Gemeinde der gestiegenen Schülerzahl wegen einrichten musste. Weil sich kein anderer Raum fand und wohl auch, um Kosten zu sparen, stellte die Gemeinde dafür das Sitzungszimmer in ihrem Rathaus zur Verfügung, in dem aber auch weiterhin die Amtsgeschäfte abgewickelt wurden. Dieses Rathaus, das erste in Güntersleben überhaupt, hatte die Gemeinde 1731 auf die Gemeindeschmiede unten am Kirchenaufgang gebaut. Später kannte man es als Frühmessnerhaus, heute gehört es einem privaten Eigentümer.

Der Unterrichtsraum in der zweiten oder unteren Schule, wie man sie nannte, war auch nur etwa 30 Quadratmeter groß. Für den weiteren Lehrer, den die Gemeinde einstellen musste, zur Unterscheidung vom I. Lehrer als II. Lehrer bezeichnet, hatte sie als Wohnung nur eine Kammer mit nicht einmal acht Quadratmetern, ausgestattet mit Bett, Tisch und Stuhl, übrig. Als II. Lehrer kam daher nur ein – meist jüngerer – Mann ohne Familie in Frage.

Die Unterscheidung zwischen unterer und oberer Schule bezog sich nicht nur auf die Lage, sondern ebenso auch darauf, dass unten die Jahrgangsstufen 1 bis 3 und oben die höheren Jahrgänge 4 bis 6 unterrichtet wurden. 1825 hatten die beiden Lehrer damit jeweils etwa 75 Kinder.

Die Erfahrung, dass sich die Gemeinde beim Aufwand für ihre Schule auch weiterhin sehr zurückhielt, blieb auch dem II. Lehrer nicht erspart, wenn er monierte, „daß der Schulofen Verbesserung brauche, indem man vor Rauch weder lesen noch schreiben könne.“ Die höhere Schulaufsicht war offenbar über die ganze Situation nicht glücklich und drängte darauf, „das Ungereimte zu entfernen, dass in dem Gemeindezimmer die Schule gehalten und der Unterricht durch im nämlichen Hause wohnenden Gemeindeschmid und einen Leinenweber gestört werde.“

Das neue Schulhaus neben der Kirche

Die Einrichtung der II. Schulstelle im Rathaus konnte nur eine vorübergehende Lösung sein. Der Bau eines neuen größeren Schulhauses war überfällig. Spätes­tens seit 1829 gab es dafür auch konkrete Pläne. Bis aber der Neubau neben der Kirche – das heutige Kolpinghaus – bezogen werden konnte, sollten noch einmal neun Jahre ins Land gehen. Die Baugeschichte ist so abenteuerlich, dass man sich unwillkürlich an die Abläufe bei öffentlichen Großprojekten unserer Tage erinnert fühlt.

Der erste Bauplan, den die Gemeinde im Mai 1829 zur Genehmigung vorlegte, wurde von der Regierung mit der Aufforderung zurückgewiesen, „einen anderen Bauver­ständigen vorzurufen, um einen schick­licheren Bauriß fertigen zu lassen.“ Dem kam die Gemeinde auch nach. Mit dem Ergebnis, dass auch der nächste Plan von der Genehmigungsbehörde zurückgewiesen wurde. Das gleiche Spiel wiederholte sich mit anderen Planfertigern in den folgenden Jahren noch mehrere Male. Auch dem Entwurf, nach dem schließlich im Herbst 1836 mit dem Bau begonnen wurde, attestierte die Regierung „solche Fehler, dass das Gebäude unmöglich danach ausgeführt werden kann.“ Zu der Erkenntnis kam sie aber erst, als bald nach Baubeginn die Gewölbe des alten Kellers, auf den man den Neubau aufsetzen wollte, zusammengebrochen waren. Erst der eiligst erstellte Plan eines fünften Architekten hatte dann die Qualität, dass im Frühjahr 1837 mit dem Bau von vorne begonnen werden konnte. Schaut man sich heute an den Durchgängen zwischen den Gewölben des Kolpingkellers die Mauerstärken an, kann man sehen, dass beim zweiten Versuch an einer sicheren Fundamentierung nicht mehr gespart wurde.

Weil die Bauausführung dann aber nicht so recht voranging und der Bauunternehmer aus Thüngersheim „sich sehr saumselig benahm“, erbot sich der Bürgermeister, damals noch mit der Amtsbezeichnung Ortsvorsteher, selbst die Bauaufsicht zu übernehmen und täglich nach dem Rechten zu sehen. Er verlangte dafür aber eine gesonderte Vergütung, die ihm auch bewilligt wurde. Als er am Ende aber weitaus mehr Gänge zur Baustelle in Rechnung stellte, als er tatsächlich unternommen hatte, strich ihm die Regierung die geforderte Vergütung auf weniger als ein Viertel zusammen. Geschlagene zehn Jahre lang versuchte der Ortsvorsteher daraufhin mehr für sich herauszuholen, letztlich aber vergeblich. Auch die Entwicklung der Baukosten braucht keinen Vergleich mit heutigen Großprojekten zu scheuen. Ursprünglich mit 1.900 Gulden veranschlagt, lagen sie am Ende bei über 8.000 Gulden.

Dafür hatte die Gemeinde aber nach der Fertigstellung im Dezember 1838 ein für damalige Verhältnisse großzügig angelegtes Schulhaus. Mit jeweils 60 Quadratmetern waren die beiden Schulsäle im Obergeschoss doppelt so groß wie die bisherigen Unterrichtslokale. Im Erdgeschoss waren die Wohnungen der Lehrer, eine größere für den I. Lehrer mit seiner Familie und eine kleinere für den II. Lehrer.

In die alte (obere) Schule wurde nach dem Umzug in das neue Gebäude das Rathaus der Ge­mein­de verlegt, wo es bis 1978 bleiben sollte. Heute ist es das Heim der Arbeiterwohlfahrt. Das vorherige Rathaus mit der unteren Schule nutzte die Gemeinde die nächsten Jahre als Armenhaus und verkaufte es später samt der Schmiede an den bisherigen Gemeindeschmied, der im Untergeschosse weiter sein Handwerk ausübte.

Dritte Schulstelle bei der Anstalt

Nur für eine begrenzte Zeit waren mit dem Neubau am Kirchplatz die Raumprobleme der Schule gelöst.  Als die Schule 1838 bezogen wurde, hatte Güntersleben 930 Einwohner. 50 Jahre später waren es über 200 mehr. Zudem wurde 1856 die Schulpflicht der sogenannten Werktagsschule in Bayern von sechs auf sieben Jahre verlängert. Wie sichs das auf die Schülerzahl auswirkte, zeigt die Schulstatistik für 1874, nach der in einem der beiden Schulsäle die unteren drei Jahrgänge mit 83 und im anderen die höheren Jahrgänge mit zusammen 97 Schülern unterrichtet wurden. Es war wieder eng geworden, von der Belastung der Lehrer bei dieser Klassenstärke gar nicht zu sprechen.

Der weitere Schulsaal, der 1888 in Verbindung mit dem Bau der Kinderbewahranstalt unten an der Langgasse geschaffen wurde, war also mehr als überfällig. In der Anstalt, wie das zweigeschossige Gebäude im dörflichen Sprachgebrauch hieß, waren im Erdgeschoss die Räume für die Betreuung der Kleinkinder und darüber der Schulsaal, der fortan III. Schule genannt wurde, mit einer Ordensschwester als III. Lehrerin für die Kinder der ersten und zweiten, später auch noch der dritten Jahrgangsstufe. Mit jeweils etwa 60 Schülern in drei ge­räumigen Lehrsälen herrschten jetzt wieder nach damaligen Vorstellungen für einige Jahre geordnete Schulverhältnisse. Ansonsten hielt sich die Gemeinde bei der Einrichtung auch weiterhin zurück. Ein Visitationsbericht von 1900 enthält zu den Schulbänken die Feststellung, dass diese zwar von sehr einfacher Konstruktion, aber immerhin noch befriedigend seien. Die Ausstattung mit Lehrmitteln sei jedoch bescheiden und nur zur Not genügend.

Mit der vierten Schulstelle zurück zu den Anfängen

1913 hatte die Schülerzahl schon wieder so zugenommen, dass das 8. Schuljahr, seit diesem Jahr in Bayern eigentlich verpflichtend, in Güntersleben wegen fehlender Räume erst Jahrzehnte später kam. Trotzdem ließ sich eine IV. Schulstelle auf Dauer nicht aufhalten. Sie wurde 1920 da eingerichtet, wo die Schule in Güntersleben ihren Anfang genommen hatte, nämlich im alten Schulhaus am Kirchplatz, das jetzt Rathaus war. Schule und Gemeindeverwaltung im gleichen Raum, das war für beide Seiten keine zuträgliche Situation und führte mitunter sogar zu lautstarken Auseinandersetzungen zwischen Lehrkräften und Gemeindevertretern. So entschloss man sich schon bald, für den II. Lehrer eine andere Unterkunft zu suchen und die IV. Schulstelle in dessen Wohnung im Schulhaus, dem heutigen Kolpinghaus, zu verlegen.

Im Gemeinderat meinte man, damit erst einmal genug getan zu haben. Die staatliche Schulaufsicht, die immer dringender einen Neubau anmahnte, vertröstete man im Februar 1929 in dem einstimmigen Beschluss: „Tritt später die Notwendigkeit an die Gemeinde her­an, einen anderen Lehrsaal zu schaffen, so mag dies einem ande­ren Gemeinderat über­lassen bleiben.“ Die Bevölkerung scheint er damit auf seiner Seite gehabt zu haben. Denn wie der Schulleiter 1930 feststellte, „zeigt auch die Gemeinde in der Mehrheit wenig Lust dazu. Hat’s früher mit 100 Schülern in einer Klasse gut getan, soll’s auch heute mit 70 und 80 gehen.“ Unter den Nationalsozialisten, die nach 1933 im Dorf das Sagen hatten, gerieten dann alle diesbezüglichen Überlegungen völlig in den Hintergrund. Vordringlicher erschienen ihnen ein Heim für die Hitlerjugend und ein neues repräsentatives Rathaus in der Dorfmitte. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs erledigten sich dann aber auch diese hochfliegenden Pläne.

Erste neue Schule im Landkreis nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach den chaotischen Verhältnissen in den Nachkriegsjahren brach auch für die Schule in Güntersleben eine Zeitenwende an. Für ihre Schule, die sie seit Anbeginn über Hunderte von Jahren mehr als stiefmütterlich behandelt hatte, für die sie oft erst auf Druck der Schulbehörden und häufig zu spät etwas tat, unternimmt die Gemeinde seither vorausschauend alles, um den Kindern bestmögliche Voraussetzungen für das Lernen zu bieten. Nicht einmal zwei Jahre nach der Währungsreform, die auch die ohnehin dürftigen finanziellen Reserven der Gemeinde zusammenschmelzen ließ, wagte sich Güntersleben im Frühjahr 1950 an den Neubau einer Schule. So notwendig der schon seit langer Zeit auch war, so war es doch in dieser Zeit ein mutiges Unterfangen, das nur gelingen konnte, weil auch die Dorfbewohner dahinterstanden und viele mit unbezahlten Arbeitsleistungen zupackten. Zu Schuljahresbeginn im September 1951 konnte die neue Zentralschule am Altenberg, wie man sie wegen der Zusammenführung der verschiedenen Schulstandorte nannte, mit sechs Klassenzimmern für 270 Schülerinnen und Schüler eingeweiht werden – als erster Neubau einer Schule nach dem Zweiten Weltkrieg im Landkreis Würzburg.

Die bisherige Schule am Kirchplatz wurde an die Kirchenstiftung verkauft, die sie nachfolgend der Kolpingsfamilie als Jugendheim überließ. Die Kinderbewahranstalt an der Langgasse wurde ein paar Jahre darauf nach dem Neubau eines Kindergartens in Wohnungen umgebaut. Heute steht an ihrer Stelle das Ärztehaus.

Erweiterungen und Modernisierung

Als die Schülerzahl auf 300 anstieg und absehbar 350 zu erwarten waren, war 1964 schon wieder eine erste Erweiterung notwendig. Mit dem Mittelbau über dem heutigen Haupteingang erhielt die Schule vier weitere Klassenzimmer und dazu eine Sporthalle, die auch als Aula für schulische Veranstaltungen genutzt werden kann.

Seit 1970 wurden in mehreren Etappen die höheren Jahrgänge der Hauptschule, heute Mittelschule, Veitshöchheim zugeordnet, so dass die Volksschule Güntersleben seit 2006 nur noch Grundschule mit den Jahrgangsstufen 1 bis 4 ist. Dadurch machte die Schule die bis dahin unbekannte Erfahrung rückläufiger Schülerzahlen, die sich – auch als Folge des Geburtenrückgangs – mittlerweile unter 200 eingependelt haben. Die letzte Erweiterung mit dem Zubau eines neuen Seitentraktes Ende der 1980er Jahre war daher nicht eine Folge steigender Belegungszahlen, sondern durch neue schulorganisatorische und pädagogische Anforderungen bedingt.

Heute nutzt die Schule nur noch die neueren Bauabschnitte, die 2011 von Grund auf modernisiert wurden. Der ältere Bauabschnitt von 1951 beherbergt als Haus der Generationen eine Tagespflegeeinrichtung und neuerdings nach einer Erweiterung einen Schülerhort.

01/2026